Depressiv in Nürnberg

Susi Sorglos bloggt

Kategorie: Tagebuch

Wie Gulasch kaufen zur Herausforderung wird

Gulasch

Bildquelle: Grey59 / pixelio.de

Genug prokrastiniert. Die OP ist jetzt schon einige Tage her und seitdem bin ich krankgeschrieben. Also eigentlich genug Zeit, um zu schreiben. Keine Ahnung, warum ich nicht in Stimmung war.

Eigentlich geht es mir gut. Die OP war ohne Komplikationen und mein gutes Heilfleisch tut sein übriges. Ich darf mich nur nicht anstrengen, damit nichts aufgeht. Deshalb soll ich meine Zeit möglichst auf dem Sofa verbringen und die Füße still halten. Was durchaus schwer fällt, wenn man das Gefühl hat, dass alles toll lief und bei dieser Art von OP auch kein Wundschmerz auftritt.

Deshalb habe ich heute Morgen auch beschlossen, einkaufen zu gehen. Die letzten Tage hat das mein Mann übernommen. Aber dann kommen die Lebensmittel erst abends und ich hatte spontan Lust auf Gulasch, das dann doch ein bisschen Kochzeit braucht.

Auf in den Kampf

Beim Anziehen war ich schon ein bisschen nervös. Nach ein paar Tagen auf dem Sofa war die Überwindung groß, wieder vor die Tür zu gehen. Es ist immer eine Herausforderung für mich, aber es fällt mir doch leichter, wenn ich jeden Tag zur Arbeit gehe. Die Hemmschwelle liegt niedriger. Ein paar Minuten mit dem Auto, ein kurzer Einkaufszettel mit wenig Positionen, denn ich darf ja nicht schwer tragen und die Tasche muss immerhin rauf in den 3. Stock. Im Grunde eine leichte Aufgabe, aber heute war sie das gar nicht.

Je früher je besser, dachte ich mir, und stand um 7 Uhr gestriegelt und gebügelt in der Tür. Einmal tief durchschnaufen und raus in den Hausflur. Bereits beim Runterlaufen fühlten sich meine Knie gummig an als wollten sie jeden Moment nachgeben. Zwischen dem 3. und dem 2. Stock hielt ich kurz inne und rief mich innerlich zur Ordnung. Es ging etwas besser. Bis zum 1. Stock jedoch war ich sicher, dass ich unterwegs einem Blutsturz oder einem Kreislaufkollaps oder beidem erliegen würde. Es kostete mich viel Überwindung, weiterzugehen statt umzukehren.

Im Auto angekommen war mir kurz ein bisschen wohler. Wahrscheinlich war es das seit Tagen eher vertraute Sitzen, das mich beruhigte. Doch wie immer meldeten sich nach dem Losfahren die bekannten Autofahren-Symptome zurück. Mein Rücken wurde zu einer einzigen großen Verspannung. Vom Hals bis zum Steiß ein Schmerz wie ein gigantischer Muskelkater. Ein Schmerz, der sich aber durch Gewichts- und Sitzverlagerung temporär an wechselnden Stellen bündeln lässt. Dort dann zwar als stechender oder krampfartiger Schmerz, aber immerhin nur an einer Stelle.

Ob das nicht alles schon viel zu anstrengend wäre, fragte ich mich beim Einparken vor dem Supermarkt. Ob es wirklich gut wäre, jetzt auch noch durch den Supermarkt zu laufen. Kein Zurück jetzt!

Die nächste Krise an der Fleischtheke. Morgens um 7 Uhr 5 steht tatsächlich jemand vor dir an der Fleischtheke. Ist das statistisch möglich? Stehen, auf einer Stelle. Nicht zu viel herumwippen, wie sieht denn das aus? Aber ganz still stehen führt garantiert zum Umfallen. Mindestens jedoch zu Rückenschmerzen. Sechs Rouladen später konnte ich aber schon mein Gulasch ordern und etwas Hackfleisch für die Katzen.

An der Kasse wieder eine Schlange und genug Zeit, schwerwiegend zu erkranken. Ich bin wirklich dankbar, dass die Kassiererinnen hier so schnell arbeiten.

Zuhause dann langsam in den 3. Stock zurück. Einen Schritt nach dem anderen. Gaaanz langsam. Das Leben kann sehr anstrengend sein.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit zu kontrollieren, ob mein Ausflug Schäden hinterlassen hat. Da ich nicht ins Höschen blute, verblute ich wahrscheinlich nach innen. Und mit Gulasch kochen. War lecker.

Ich würde mir das gerne in mein Hirn hämmern. Wieder nichts passiert. Alles ok. Gehe hinaus und freue dich des Augenblicks. Immerhin esse ich noch Gulasch. Ist doch auch gut.

Katzenpubertät und Höhenangst

Katze im BaumIch sitze in der Badewanne. Vor mir in der geöffneten Schublade des Waschbeckenunterschranks Godmorgon liegt die kleine Katze Amy. Ein kurzer Moment der Ruhe bevor ihr wieder einfällt, sie könne auf dem Badewannenrand bestimmt einmal komplett herumlaufen. Oder sich draußen an der Garderobe den Mantel entlang nach oben ziehen.

Ich mag Baby-Katzen und ich mag große Katzen. Dazwischen liegt eine Zeit der Pubertät, in der meine Tierliebe auf die Probe gestellt wird. Amy ist sieben Monate alt und noch nicht kastriert. Sie ist kräftig und lebenslustig und versucht überall nach oben zu kommen. Im Schrank bietet sich ein langes Wollkleid an, an dem man guten Halt findet bis oben zur Stange. Wenn es nicht vom Bügel rutscht. Es gibt Tage, da hänge ich nach dem Aufstehen als Erstes meine halbe Garderobe wieder säuberlich auf die leeren Bügel.

Es muss auch ein tolles Vergnügen sein, vom Aquarium auf die Tür zu springen, um dort das eigene Schwänzchen zu jagen. Amy ist selbstbewusst und mutig. Und mein Nervenkostüm wird erheblich strapaziert. Mein Mann maßregelt mich dann immer. Die Katze solle ihre Fähigkeiten entwickeln dürfen, klagt er ein. Ich versuche, mich zusammenzureißen, aber die wirksamste Methode ist immer noch, einfach das Zimmer zu verlassen.

Mittlerweile glaube ich, die kleine Maus hat ihre Übungen längst zum Spiel mit mir gemacht. Meine maximale Aufmerksamkeit bekommt sie, wenn ich hinter ihr her laufe und sie Lieselotte, Lumpi oder Luder schimpfe, weil sie irgendwo rumklettert oder wieder etwas gemopst hat, das sie nicht haben soll.

Zum Glück habe ich keine Kinder. Die wären wahrscheinlich die vollen Schisser und die einzigen auf dem Spielplatz, die sich nicht trauen, irgendwo oben auf dem Klettergerüst herumzuturnen, weil ihre Mutter sonst wieder vor allen Leuten herumkreischt. Und warum? Weil ich so viel Höhenangst habe, dass mir schon schwindelig wird, wenn ich auf einen Stuhl steige.

Das war nicht immer so. Ich war als Kind zwar kein großer Klettermaxe, aber für das Geräteturnen in der Schule reichte es durchaus. Und dabei passierte es auch. Ich flog beim Felgaufschwung vom Stufenbarren, halb auf, halb neben die dünne Matte, die dort immer ausgelegt wurde. Gebrochen war nichts, aber ich hatte mir ordentlich weg getan und wahrscheinlich auch eine Art Schock. Noch schlimmer als die Schmerzen war aber, dass der Lehrer, der eigentlich zu meiner Sicherung am Gerät stand, mich nicht abgefangen hatte. Er hatte seiner Lieblingsschülerin zugesehen, die gerade an einem anderen Gerät turnte. Seine ausgestreckte Hand suggerierte Sicherheit, sein Kopf aber war abgewandt und ich stürzte an ihm vorbei ohne dass er überhaupt irgendwie nach mir griff, um meinen Fall zu bremsen. Wie ich heute weiß, fehlt mir Urvertrauen, was auf den doppelten Mutterverlust zurückzuführen ist. Es fällt mir nicht leicht, anderen zu vertrauen, und es geht sehr schnell, dieses Vertrauen bei mir wieder zu zerstören. Dem Lehrer hätte ich ab da nicht einmal mehr bei der Ansage der Uhrzeit vertraut, schon gar nicht mehr bei der Sicherung am Gerät. Als ich in der nächsten Stunde auf den Schwebebalken stieg, wackelte das ganze Gerät unter meinen zitternden Beinen derartig, dass an Turnen nicht mehr zu denken war. Das war das Ende meiner Geräteübungen und der Beginn einer verstärkten Höhenangst, die sich nunmehr nicht mehr nur auf große Höhen beschränkte.

Wenn ich heute eine Leiter benutzen muss, ist das für mich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein aufwändiger Willensakt, der nur gelingt, wenn mein Dickkopf, mein Leben nicht nur von der Angst bestimmen zu lassen, gewinnt. Es gibt gute Tage und Tage, an denen die Glühbirne halt nicht ausgewechselt wird.

 

Bildquelle: NicoLeHe / pixelio.de

Öffentliche Depression – nein, danke!

Journalistische Artikel, die sich mit dem Thema Depression befassen, kommen zurzeit immer zu dem Schluss, die Krankheit dürfe nicht mehr tabuisiert werden. Betroffene sollten sich outen. Besonders beliebt ist das Outing bei Journalisten, die daran leiden. Und in ihrer Welt mag das auch richtig sein.

Ein Arbeitnehmer muss seinem Arbeitgeber, mindestens seinem direkten Vorgesetzten, erklären, warum er krankgeschrieben ist. Niemand sagt: „Hey, ich bin die nächsten Monate mal weg, aber ich sage euch nicht, warum.“ Insofern werden die meisten Menschen es ihrem Chef wohl sagen.

Für Journalisten bedeutet das dann sicher, dass der Chef ganz begeistert vorschlägt, man könne die persönlichen Erfahrungen doch gleich mal in einem Artikel verarbeiten. Und vielleicht ist es auch ein bisschen Berufsehre, dass betroffene Journalisten sich selbst auferlegen, die Krankheit zu thematisieren. Reportage direkt aus dem Krisengebiet.

Aber dennoch versteht es niemand

Wer nicht betroffen ist, tut sich schwer mit dem Verständnis. Selbst als Betroffener hadert man oft genug mit sich selbst, verlangt von sich mehr Selbstdisziplin oder sitzt in der Ecke und versucht wie ein Depp positive Denkkräfte zu aktivieren, um sich selbst zu heilen. Wie sollen dann Dritte verstehen, was Depression mit ihren vielen Facetten bedeutet? Sie lesen die Geschichten, aber es braucht schon sehr viel Empathie, um sich hineinzufühlen. Ich behaupte sogar: nur wer ein gerüttelt Maß an Zuneigung für die Person hat, der wird sich über die Wörter hinaus einfühlen wollen. Wer die Person nicht kennt, für den bedeuten auch schön aufbereitete journalistische Geschichten nichts.

Im Gegenteil. Gerade oberflächliche Manager haben keine Zeit und keine Lust, sich mit so einem Krankheitsbild auseinanderzusetzen. Ich hatte mal einen Abteilungsleiter, der hatte sich beim ersten Fall von Burnout in seiner Abteilung bei einem befreundeten Psychologen erkundigt, was er davon halten solle. Der Psychologe erklärte ihm, dass es bei psychischen Beschwerden nie allein die Arbeit wäre, es kämen stets mehrere Aspekte zusammen und am Ende müsse der Betroffene da primär alleine durch. Ich bin sicher, der Psychologe hat nicht eindimensional geredet, aber das Einzige, das hängen blieb, war, dass der Chef alleine ganz bestimmt nicht Schuld ist, man ihm also nicht am Zeug flicken konnten und der Freibrief, dass der Betroffene da alleine durch muss. Und das war dann auch seine neue Standard-Reaktion. Der Mitarbeiter solle schauen, „dass er das in den Griff kriegt“ und erst wieder vorstellig werden, wenn er wieder ok wäre. Keine Empathie, kein Verständnis, keine Angebote. War der Mitarbeiter anwesend, musste er funktionieren und zwar bitte so, wie man das vor seinem Burnout von ihm gewohnt war. Ansonsten solle er halt wieder den Arzt aufsuchen. Statt Empathie Distanz und Liebesentzug.

Dieser Abteilungsleiter war eine Zeit lang auch mein Chef. Ich hatte bei ihm einen Stein im Brett. Kein Wunder, ich arbeitete auch wie eine Gestörte, führte zwei Teams mit unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Bis es auch mir die Füße wegzog. Tatsächlich war ich körperlich so erschöpft, dass mich meine Mitarbeiter dreimal innerhalb kurzer Zeit nach Hause fahren mussten. Und dann kamen die Panikattacken, längst vergessene und überwunden geglaubte Probleme. Ich sprach meinen Chef an und erklärte ihm, dass ich nur noch ein Team führen könne. Damals war ich so naiv zu glauben, die Tatsache, dass er mich so gern mochte, würde ihn verständnisvoll stimmen und er würde mich unterstützen, möglichst schnell wieder auf die Beine und in ein vernünftiges Maß an Arbeit zu kommen. Aber wie das halt so ist bei diesem Menschen: wenn du mir nützt, nenne ich dich Freund, nützt du mir nicht, kannst du mir gestohlen bleiben. Die klare Ansage, ich solle das gefälligst in den Griff kriegen, war noch das Harmlosese, was er mir antat. Ich fühlte mich in den Monaten danach häufig als würde er mit einem Panzer über mich drüber rollen. Ich verließ meine Teams und ging woanders hin, weil ich wusste, ich war für sie eher zur Gefahr geworden als dass ich ihnen Gutes tun konnte. Wo ich vorher bei Anfragen nach einer Prämie oder Gehaltserhöhung kaum argumentieren musste, weil ich als kompetente Chefin, von der er so viel hielt, doch genau wusste, wie ich meine Mitarbeiter einzuschätzen hätte, war jetzt ein Vorschlag meinerseits für eine Zuwendung Auslöser dafür, dass er begann, den Mitarbeiter unter die Lupe zu nehmen und fertig zu machen. Mit dem Ziel, mir nachzuweisen, dass ich völlig untauglich bin.

Ab da war ich sehr vorsichtig. Während ich meine Mitarbeiter stets ermutigte, sich mir gegenüber zu öffnen, damit ich sie wenigstens in kritischen Momenten unterstützen konnte, hielt ich stets den Mantel des Schweigens sowohl über meine eigenen inneren Kämpfe als auch über die psychischen Probleme meiner Mitarbeiter. Ich nahm schon mal die der Schweigepflicht unterlegenen Beratungsmöglichkeiten der Betriebsärztin in Anspruch, aber niemals mehr fragte ich einen direkten Vorgesetzten nach Unterstützung.

Die „Normalen“ können damit nicht umgehen

Auf die Frage „Wie geht es dir?“ möchten wir doch immer nur die Antwort „Gut!“ hören. In Franken darf man auch – mit einem Lächeln – „Bassd scho“ sagen. Denn ein Passt schon ist beim Franken das Gleiche wie ein Gut. Die meisten Menschen sind heutzutage so mit ihren eigenen Sorgen und Nöten beschäftigt, dass sie nur mäßig Interesse daran haben, wenn die Nachbarin über ihre schmerzenden Beine klagt. Vor allem natürlich wenn die schmerzenden Beine etwas chronisches sind, das häufiger thematisiert wird. Einmal hören wir uns die Geschichte an, danach verkneifen wir uns die Frage nach dem Befinden und hasten lieber schnell vorbei.

Stark zugenommen hat auch die Unterstellung, die Leute wären ja selbst Schuld an ihren Krankheiten, egal welcher Art. Und deshalb sollen sie mir jetzt nicht die Ohren volljammern. Hätten sie mal rechtzeitig auf ihre Gesundheit geachtet oder würden sie jetzt mal die Backen zusammenkneifen, dann, ja dann müssten sie auch nicht lamentieren. Irgendwie hat sich in unserer Gesellschaft der Gedanke, dass jeder seines Glückes und seiner Gesundheit Schmied ist, schon hart festgesetzt. Also wenn du Probleme hast, dann gehe hin und mach was dagegen. Und erzählen darfst du mir nur davon, wenn du tolle Fortschritte machst. Dann kann ich dich loben und mich mit dir darüber freuen, was ja eine tolle Anteilnahme meinerseits ist. Dann fühlst du dich gut und ich fühle mich gut, eine Win-Win-Situation. Aber ich will nicht hören, dass deine Tabletten nicht anschlagen oder dass du sie nicht nimmst, weil du Angst hast oder du deinem Arzt nicht vertrautst und dir erst einmal einen neuen suchen wolltest, wenn du wüsstest… Nee, also reiß dich mal zusammen! Neuerdings schreiben auch immer mehr „kluge“ Leute, man solle sich, wenn man wirklich erfolgreich und glücklich werden will, von negativen Menschen fern halten. Die zögen einen nur runter.

Witzig ist dabei, dass das deutsche Gemüt aber eigentlich mit der Gewissheit aufgewachsen ist, dass immer die anderen Schuld sind an der eigenen Misere. Es ist nicht mein Zigarettenkonsum, der mir Krebs gemacht hat, sondern die Emissionen des nächsten Chemiewerks. Das ist eigentlich deutsches Gedankengut. Und stimmt auch immer für mich, für den anderen aber nicht, der ist wieder selber Schuld. 😀

Wir haben einerseits also die glücklichen und erfolgreichen, die die Kraft und Ausdauer hätten, mich bei der einen oder anderen Gelegenheit einfach mal kurz bei der Hand zu nehmen, damit ich einen entscheidenden Schritt gehe. Oder die mir einfach ein bisschen ihrer Unbeschwertheit überlassen könnten, damit mein dunkler Keller etwas erhellt werde. Das sind die, die glauben, dass ich selbst Schuld bin und sie halten sich lieber von mir fern, damit ich sie nicht hinabreiße in ein finsteres Loch. Oder sie geben mir Ratschläge wie „mach doch mal mehr Sport oder Entspannungsübungen“.

Die anderen, die der Meinung sind, alle anderen wären Schuld, die schließen sich mir vielleicht an. Dann können wir gemeinsam auf die Pharmaindustrie schimpfen oder sonstige Großkonzerne oder einfach auf unsere Eltern, vielleicht entwickeln wir auch gemeinsam eine Verschwörungstheorie. Aber wird mich das auf Dauer retten? Wohl eher nicht.

Und so wird der Kreis der Menschen, mit denen ich mich ernsthaft unterhalte, immer kleiner. Der Kreis der Menschen, denen ich etwas über meine psychischen Beschwerden mitteile, ist winzig. Und er besteht ausschließlich aus Leuten, die wissen, wovon ich rede.

Noch viel mehr reden, aber immer geschützt

Es ist gut über psychische Krankheiten zu reden. Egal über welche. Offen und ehrlich. Und öffentlich wie in Blogs, damit sich andere, die alleine zuhause sitzen, ein Bild machen können, dass sie nicht alleine sind.Hier könnten die Beiträge meines Erachtens noch detaillierter und persönlicher sein. Viel zu oft bleiben Artikel oder Blogs an der Oberfläche, sind zu pauschal. Der Grund ist meines Erachtens, dass niemand so ins Detail gehen will, wenn sein echter Name darunter steht. Zu leicht wird man danach zum Opfer, gibt den weniger freundlich gesonnenen Menschen gerade noch die Waffen in die Hand, mit denen sie einen verletzten können.

Deshalb: Ich tausche mich gerne mit einem Avatar aus. Es ist egal, ob jemand Peter oder Weihnachtsmann54 heißt. Wenn wir auf Augenhöhe diskutieren können, dann ist mir der eine Name so gut wie der andere.

Dieses Blog soll privat sein

Frohes neues Jahr 2016Wie betreibe ich denn dieses Blog?

Ich bin schon wieder so unentschieden. Einerseits ist das hier mein persönliches Tagebuch. Aber man schreibt normalerweise nicht für sich selbst, sondern für Dritte. Also mindestens einen Leser brauche ich, damit das Schreiben Sinn ergibt. Werde wohl meinen Mann verpflichten müssen.

Hallo Schatz, herzlich Willkommen! :-*

Vielleicht findet sich aber noch der eine oder die andere. Ich möchte natürlich am liebsten gleichgesinnte Leute „treffen“. Ein Schwätzchen hier, eine Diskussion da, das wäre nett. Für die Kurzweil und zum Erweitern meines Horizonts. Und ein bisschen auch für positives Feedback; etwas Lob für meine Beiträge, meinen Schreibstil oder meine Ausdauer oder so. Kann ich zurzeit gut gebrauchen, mein Selbstwertgefühl ist gerade nicht so ausgeprägt.

Freunde oder gar Bekannte einladen geht aber nicht, sonst heble ich das Konzept der Anonymität ja gleich wieder aus.

Warum eine eigene Domain?

Ich habe weder eine Mission, die ich hiermit ernsthaft verfolge, noch versuche ich, mit dieser Seite Geld zu verdienen. Dass ich mir eine eigene Domain geholt habe und dafür jetzt monatlich 5 Euro zahle, hat einzig den Grund, dass die Inhalte dadurch allein mir gehören. Bei kostenlosen Blogs gehören die Inhalte dem Anbieter und der kann damit im Grunde machen, was er will. Vor allem könnte er sie einfach löschen.

Außerdem habe ich schon ein paarmal angefangen, so zu bloggen und es nie durchgezogen. Es hilft meiner Disziplin bestimmt auf die Sprünge, wenn ich Kosten habe. Verbindlichkeit olé!

Und ich habe gelesen, dass man als Blogger besser gefunden wird, wenn man seine eigene Seite hat und nicht eine ferner-liefen-URL bei einem kostenlosen Anbieter. Was natürlich die Chance erhöht, dass sich hier zwei oder drei Interessierte einfinden.

Kein Blog-Business

Es regt mich gelegentlich auf, dass einerseits behauptet wird, Blogs seien etwas Privates, aber kaum ein Blog wird von einer Privatperson betrieben. Ganz viele sind von Journalisten oder von Firmenangestellten, die alle ihren Job machen. Mindestens ihre Selbstvermarktung, die zu ihrem Handwerk dazugehört. Die meisten „Blogs“ sind eher redaktionelle Texte für die eigene Homepage. Die sind nicht schlecht, aber sie sind eben keine persönlichen Blogs.

Das Netz ist voll mit Blogs, die mir erklären, wie ich mit einem Blog ein Business starten könne. Will ich aber doch gar nicht.

Am besten gefallen mir Blogs, in denen Leute einfach die Anekdoten aus ihrem Berufsleben teilen oder ihre privaten Gedanken zum aktuellen Zeitgeschehen preisgeben. Und das möglichst gefällig formuliert. Sie sind nicht leicht zu finden, aber es gibt sie. Für sachdienliche Hinweise bin ich empfänglich. :)

So, und jetzt setze ich mich hin und nutze den Neujahrsmorgen dafür, herauszufinden, wie ich mir hier ein Blogroll einrichte. Und mal gucken, ob ich doch noch Blogs zum Thema Depression finde, die nicht von Ärzten oder Journalisten geschrieben sind.

 

Bildquelle: Ruth Rudolph / pixelio.de

Prokrastinieren für Fortgeschrittene

UhuSo, da bin ich nun also. Ist noch ziemlich ruhig hier. Gut so, stört keiner meine Konzentration. Apropos Konzentration.

Die Big Bang-Folge kenne ich zwar schon, aber sie ist trotzdem lustig.

Ich könnte nochmal schnell Facebook checken.

Wann kommt Dinner for one?

Ich bin Weltmeisterin im Prokrastinieren. Hab sogar schon einen Kurs dagegen belegt. Die Ursache ist in der Regel, dass die Aufgabe, die zu erledigen ist und die man gerade aussitzt, nicht dem eigenen Zielsystem dient.

Oder man ist depressiv. Kann auch sein. Dann hilft kein Kurs. Haben die in dem Kurs auch gesagt. Kluge Leute. War ja auch ein Uni-Kurs.

Trotzdem habe ich  mich brav mit meinen Werten und Zielen auseinandergesetzt. Na ja, auseinandersetzen wollen. So richtig zu Ergebnissen kam ich nicht. Wie soll das auch gehen mitten in einer depressiven Phase? Es ist schon faszinierend, sich selbst dabei zu beobachen, wie man sich im Kreis dreht. Unsere kleine Katze jagt immer ihr Schwänzchen; ist genauso sinnvoll, sieht aber witziger aus.

Ich habe früher sehr viel geschrieben. Durchaus auch sowas wie Tagebuch oder einfach mal meine Gedanken zu einem Thema oder ein Gedicht. Am liebsten aber Briefe. Ich bin alt genug, ich kenne noch Brieffreundschaften. Damals habe ich problemlos 10 DIN A4-Seiten am Stück mit der Hand runtergeschrieben. Wohl sortierte Gedanken, schöne Schrift. Stundenlang ohne Pause war überhaupt kein Problem. Kaum noch vorstellbar. Zum einen, so lange Zeit konzentriert über einer Sache zu bleiben und zum anderen, den Text einfach runter zu schreiben ohne später zu redigieren, nachträglich einzufügen, etwas zu löschen… Ich sehne mich danach, das wieder zu können. Ich will nicht unbedingt mit der Hand schreiben, aber die Klarheit der Gedanken, die Fähigkeit zur Konzentration und die Verbissenheit, etwas bis zum Ende zu bringen, fehlen mir. Das waren echte Kompetenzen, finde ich. Und die sind weg. Und es ist nicht nur die Depression, glaube ich. Die Arbeit klaut einem viel. Ständig nur Meetings, „Kommunikation“ per E-Mail, fast keine Zeit, länger am Stück über einer Sache zu bleiben, da verlernt man schon Einiges.

Ich habe auch lange gebraucht bis ich mich entschieden habe, einen Blog aufzusetzen. Einerseits drängt in mir alles dazu, schreiben zu wollen, andererseits habe ich überhaupt keinen Plan, worüber. Und ich war noch nie der Typ für „der Weg ist das Ziel“. Das Konzept verstehe ich nicht.

Und nun sitze ich hier und tippe vor mich hin und kämpfe dagegen an, dass ich schon wieder aufspringen und etwas anderes tun möchte. Vielleicht Wäsche und war in der Küche nicht noch etwas zu tun? Bestimmt. Vor 5 Minuten hatte ich darauf noch keine Lust, aber jetzt denke ich, ich sollte das machen. Ommmmmmmmmmm.

 

Tschuldigung, war nur kurz nen Kaffee holen. Die Einkaufstasche musste auch ausgeräumt werden, das wird man doch noch mal machen dürfen.

Also gut, meine Konzentrationsschwelle ist wohl schon überschritten. Empfehle mich.

Procrastinators unite! Tomorrow!

 

Bildquelle: Ulrich Vogler  / pixelio.de

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