Gulasch

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Genug prokrastiniert. Die OP ist jetzt schon einige Tage her und seitdem bin ich krankgeschrieben. Also eigentlich genug Zeit, um zu schreiben. Keine Ahnung, warum ich nicht in Stimmung war.

Eigentlich geht es mir gut. Die OP war ohne Komplikationen und mein gutes Heilfleisch tut sein übriges. Ich darf mich nur nicht anstrengen, damit nichts aufgeht. Deshalb soll ich meine Zeit möglichst auf dem Sofa verbringen und die Füße still halten. Was durchaus schwer fällt, wenn man das Gefühl hat, dass alles toll lief und bei dieser Art von OP auch kein Wundschmerz auftritt.

Deshalb habe ich heute Morgen auch beschlossen, einkaufen zu gehen. Die letzten Tage hat das mein Mann übernommen. Aber dann kommen die Lebensmittel erst abends und ich hatte spontan Lust auf Gulasch, das dann doch ein bisschen Kochzeit braucht.

Auf in den Kampf

Beim Anziehen war ich schon ein bisschen nervös. Nach ein paar Tagen auf dem Sofa war die Überwindung groß, wieder vor die Tür zu gehen. Es ist immer eine Herausforderung für mich, aber es fällt mir doch leichter, wenn ich jeden Tag zur Arbeit gehe. Die Hemmschwelle liegt niedriger. Ein paar Minuten mit dem Auto, ein kurzer Einkaufszettel mit wenig Positionen, denn ich darf ja nicht schwer tragen und die Tasche muss immerhin rauf in den 3. Stock. Im Grunde eine leichte Aufgabe, aber heute war sie das gar nicht.

Je früher je besser, dachte ich mir, und stand um 7 Uhr gestriegelt und gebügelt in der Tür. Einmal tief durchschnaufen und raus in den Hausflur. Bereits beim Runterlaufen fühlten sich meine Knie gummig an als wollten sie jeden Moment nachgeben. Zwischen dem 3. und dem 2. Stock hielt ich kurz inne und rief mich innerlich zur Ordnung. Es ging etwas besser. Bis zum 1. Stock jedoch war ich sicher, dass ich unterwegs einem Blutsturz oder einem Kreislaufkollaps oder beidem erliegen würde. Es kostete mich viel Überwindung, weiterzugehen statt umzukehren.

Im Auto angekommen war mir kurz ein bisschen wohler. Wahrscheinlich war es das seit Tagen eher vertraute Sitzen, das mich beruhigte. Doch wie immer meldeten sich nach dem Losfahren die bekannten Autofahren-Symptome zurück. Mein Rücken wurde zu einer einzigen großen Verspannung. Vom Hals bis zum Steiß ein Schmerz wie ein gigantischer Muskelkater. Ein Schmerz, der sich aber durch Gewichts- und Sitzverlagerung temporär an wechselnden Stellen bündeln lässt. Dort dann zwar als stechender oder krampfartiger Schmerz, aber immerhin nur an einer Stelle.

Ob das nicht alles schon viel zu anstrengend wäre, fragte ich mich beim Einparken vor dem Supermarkt. Ob es wirklich gut wäre, jetzt auch noch durch den Supermarkt zu laufen. Kein Zurück jetzt!

Die nächste Krise an der Fleischtheke. Morgens um 7 Uhr 5 steht tatsächlich jemand vor dir an der Fleischtheke. Ist das statistisch möglich? Stehen, auf einer Stelle. Nicht zu viel herumwippen, wie sieht denn das aus? Aber ganz still stehen führt garantiert zum Umfallen. Mindestens jedoch zu Rückenschmerzen. Sechs Rouladen später konnte ich aber schon mein Gulasch ordern und etwas Hackfleisch für die Katzen.

An der Kasse wieder eine Schlange und genug Zeit, schwerwiegend zu erkranken. Ich bin wirklich dankbar, dass die Kassiererinnen hier so schnell arbeiten.

Zuhause dann langsam in den 3. Stock zurück. Einen Schritt nach dem anderen. Gaaanz langsam. Das Leben kann sehr anstrengend sein.

Den Rest des Tages verbrachte ich damit zu kontrollieren, ob mein Ausflug Schäden hinterlassen hat. Da ich nicht ins Höschen blute, verblute ich wahrscheinlich nach innen. Und mit Gulasch kochen. War lecker.

Ich würde mir das gerne in mein Hirn hämmern. Wieder nichts passiert. Alles ok. Gehe hinaus und freue dich des Augenblicks. Immerhin esse ich noch Gulasch. Ist doch auch gut.